Latein

 

ALS Lateinfachschaft

Die Fachschaft Latein im August 2017: Manuela Junker, Stefanie Best, Kathrin-Isabel Eisenberg, Matthias Möller (LiV), David Trowitzsch (v.l.n.r.)

 

Latein – eine tote Sprache?

Wenn man in Gesprächen auf das Thema "Latein" kommt, ruft das oft verschiedene Arten von Reaktionen hervor: Die einen fragen "Wozu braucht man das heute denn noch?". Die anderen erinnern sich: "Oh, Latein, da musste ich immer schwer kämpfen." oder sogar: "Wegen Latein bin ich mal sitzen geblieben." Oft hört man aber auch: "Latein hat mir in der Schule Spaß gemacht." und "Es hat mir viel gebracht."

Neben all diesen persönlichen Erfahrungen mit dem Fach Latein gibt es ein paar grundlegende Aspekte, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen.

 

Der formale Nutzen von Latein

 

Das Latinum ist an vielen Universitäten und Hochschulen Voraussetzung für das Studium bestimmter Fächer. Dazu gehören Deutsch, Geschichte, Englisch, Französisch, Latein, Griechisch, Theologie, Philosophie und Archäologie. Von Nutzen sind Lateinkenntnisse auch für andere Fächer, z.B. Jura, Medizin und Biologie. Wer das Latinum von der Schule mitbringt, erspart sich das mühsame Nachlernen an der Uni.

 

Der Nutzen für die sprachliche Entwicklung

 

Nicht ohne Grund werden für die Studiengänge der sogenannten "romanischen Sprachen" (z.B. Italienisch, Spanisch und Französisch) Lateinkenntnisse vorausgesetzt. Die Gebiete der heutigen Länder Italien, Spanien Frankreich befanden sich mehrere Jahrhunderte lang unter römischer Besatzung und übernahmen mit der Zeit vollständig die lateinische Sprache, die deshalb zu 100% die Grundlage der heutigen Sprachen bildet. Selbst die englische Sprache greift zu 50-60% auf Wörter lateinischen Ursprungs zurück. Daher liegt es auf der Hand, dass Latein eine optimale Grundlage für den späteren Spracherwerb (z.B. Französisch ab Klasse 9 / bei G8 ab Klasse 8) darstellt und sich auch positiv auf die bisherige Fremdsprache Englisch auswirken kann. Man lernt im Lateinunterricht, wie eine Sprache funktioniert. Latein ist gewissermaßen ein "Modell von Sprache". Dies ist eine gute Basis, moderne Fremdsprachen zu erlernen.

 

Doch warum lerne ich nicht gleich die Sprache, die ich lernen will, ohne den "Umweg" Latein?

 

Der eigentliche Sinn des Lateinlernens liegt im Nachdenken über die Sprache allgemein, in der Sprachreflexion. Dazu muss man wissen, dass Latein eine wortarme Sprache ist, d.h. dass sie mit weniger Wörtern auskommt als andere Sprachen. Ihre Ausdrucksmöglichkeiten erreicht sie u.a. durch die Bedeutungsvielfalt der einzelnen Wörter. Für die Übersetzung bedeutet dies, dass man durch eine Wort-für-Wort-Übersetzung nicht so weit kommt, sondern dass man sich sehr viel Gedanken über die Konstruktion des Satzes und dessen vielfältige Übersetzungsmöglichkeiten machen muss. Dabei entsteht mit der Zeit (im Idealfall) ein Sprachgefühl, das es erlaubt, den in diesem Zusammenhang optimalen Ausdruck im Deutschen wiederzugeben. Durch die permanente Beschäftigung mit Formen und der Wortbildungslehre können zudem oft unbekannte Wörter erschlossen werden. Nicht selten erlebt man auch, dass die deutsche Grammatik beim Erlernen der lateinischen Grammatik besser verstanden wird.

 

Der Nutzen für die persönliche Entwicklung

 

Ein entscheidender Faktor beim Lateinlernen ist die Konzentrationsschulung. Jeder einzelne Buchstabe in einem Wort hat eine Bedeutung für die Übersetzung. Daher muss man genau hinschauen, exakt unterscheiden, richtig kombinieren und zielstrebig arbeiten können.

Die Schüler bekommen bald einen Einblick in die römische Kultur. Diese stellt zum einen eine wichtige Grundlage für unsere heutige Kultur dar, zum anderen sollen auch gerade die Unterschiede zwischen Heute und Damals zum Nachdenken über unser Leben anregen, sodass man durch die Auseinandersetzung mit dem Fremden einen neuen Blick auf das Vertraute bekommt.

Unterrichtsbegleitend werden die Spuren der römischen Kultur auf Exkursionen erkundet, wie z.B. zum Römerkastell Saalburg, zum Archäologischen Park "Varusschlacht" bei Osnabrück, nach Xanten oder Köln.

 

Latein an der ALS

 

Der Lateinunterricht in der 2. Fremdsprache ab Klasse 7 (bei G8 Klasse 6) bis Klasse 11 (bei G8 Klasse 10) gliedert sich in 2 Abschnitte:

 

Die Lehrbuchphase vermittelt den Schülerinnen und Schülern im Verlauf von 3 Jahren die Grundlagen der lateinischen Sprache im Hinblick auf die Grammatik und den Wortschatz. Durch die Lehrbuchtexte lernen die Kinder außerdem eine Menge über das römische Alltagsleben, die Romanisierung Germaniens, berühmte Römer wie Caesar und Augustus und die antike Mythologie. Das an der ALS verwendete Lehrbuch heißt "Via Mea" und ist im Cornelsen Verlag erschienen.

Die Lektürephase beginnt in der 10. Klasse (bei G8 in der 9. Klasse). Ab jetzt werden Werke römischer Schriftsteller wie Caesar, Cicero und Ovid gelesen.

Mit Ende der Klasse 11 (bei G8 Klasse 10) wird das Latinum erworben, sofern die Zeugnisnote 5 Punkte (ausreichend) erreicht wird.

In der Qualifikationsphase der gymnasialen Oberstufe besteht die Möglichkeit Latein als Grundkurs oder Leistungskurs zu wählen.

 

Auch als 3. Fremdsprache kann Latein an der ALS gelernt werden.

 

Diese beginnt in der 9. Klasse (bei G8 in der 8. Klasse) und muss für zwei Jahre gewählt werden. Wer das Latinum anstrebt, muss Latein als 3. Fremdsprache bis zum Abitur behalten.

In der 11. Klasse (bei G8 in der 10. Klasse) kann Latein als sogenannte "neu beginnende" Fremdsprache neben oder anstatt Französisch gewählt werden und mit einer zusätzlichen Wochenstunde (also 4 statt 3) sogar das Latinum erreicht werden, sofern Latein bis zum Abitur behalten und entweder als Prüfungsfach gewählt wird oder eine zusätzliche Latinumsprüfung abgelegt wird.

Das an der ALS für die 3. Fremdsprache Latein benutzte Lehrwerk heißt "Lumina Nova" und ist bei Vandenhoeck & Ruprecht erschienen.

Stand: Juli 2015

 

Exkursionen:

In Klasse 7 oder 8 findet eine dreitägige Fahrt nach Xanten statt. Unter dem Motto "Die Römer unter uns" haben wir dort folgendes Programm:

Es beginnt mit einer Führung durch das Römermuseum. Die geführten Besuche einer aktiven Ausgrabung sowie der römischen Thermen zeigen, welche Gemeinsamkeiten es zwischen dem antiken und unserem heutigen Leben gibt. Unter der Leitung eines Museumspädagogen lernen die Schülerinnen und Schüler am Abend römische Gesellschaftsspiele kennen. Am nächsten Tag findet eine Rallye durch den Archäologischen Park statt. Anschließend werden die Schülerinnen und Schüler kreativ: z.B. beim Gemmenschneiden, bei der Gestaltung römischer Namensschilder aus Messing oder Untersuchung von Fundstücken aus römischer Zeit. 

Folgende Termine sind vorreserviert:

25.03.-27.03.2019 (Lateinschülerinnen und -schüler Jg. 8)

27.04.-29.04.2020 (Lateinschülerinnen und -schüler Jg. 7+8)

27.09.-29.09.2021 (Lateinschülerinnen und -schüler Jg. 8)

14.09.-16.09.2022 (Lateinschülerinnen und -schüler Jg. 8)

13.09.-15.09.2023 (Lateinschülerinnen und -schüler Jg. 8)

In dem Jahrgang (7 oder 8), der nicht nach Xanten fährt, findet eine Tagesexkursion statt, z.B. zum Archäologischen Park "Varusschlacht" am Kalkrieser Berg bei Osnabrück oder zum Römerkastell "Saalburg" bei Bad Homburg.

Im Jahrgang 9 fahren wir nach Köln oder Mainz und besuchen dort u.a. die Römermuseen. Auch ein Stadtbummel darf bei dieser Fahrt natürlich nicht fehlen.

Im Jahrgang 10 ist ein Tagesausflug z.B. nach Kassel zur Antikensammlung und zum Marmorbad möglich.

 

Exkursion zum Archäologischen Park "Varusschlacht" am 20.6.2018 (Indoorprogramm "Nicht nur Schlachten und Kriege")


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Nachrichten aus der Fachschaft Latein – Antike zum Anfassen

Ein Blick in den Römertopf oder:

Ex ovo usque ad mala – Vom Ei bis zu den Äpfeln

… dies waren sprichwörtlich Anfang und Ende fast jedes feierlichen römischen Essens. Als erster Gang wurde immer eine Eierspeise gereicht, den Abschluss bildeten Früchte, sehr häufig Äpfel. Dazwischen war alles möglich: gegrilltes Schweineeuter an Weinsoße, in Öl geschmorte Schnecken – die vorher in Milch gemästet wurden – oder sogar gebratene Flamingozungen.

Ganz so exotisch wurde es zum Glück nicht, als ich zum Abschluss der gemeinsamen zwei Schuljahre mit meiner Lateinklasse 8e einige antike Rezepte in der Schulküche nachkochte. Dafür hatte ich Rezepte herausgesucht, die sich nicht allzu sehr von unserem heutigen Geschmack unterscheiden. Trotzdem waren einige Schüler froh zu sehen, dass die Römer schon Melonen kannten…

In Kleingruppen kochten wir jeweils ein antikes Rezept nach, um für unsere gesamte Klasse ein kleines Menü mit Vor-, Haupt- und Nachspeise zusammenzustellen. So gab es eine Gruppe, die ova Apala (gekochte Eier mit Pinienkernsoße) zubereitete. Bevor wir uns an das Zerstoßen der Pinienkerne für die Soße machten, stellte sich gleich die lebenspraktische Frage „Wie lange müssen Eier eigentlich kochen, damit sie auch wirklich hartgekocht sind?“ Die Pinienkernsoße erinnerte an antike Erdnussbutter und hatte eine interessante Farbe, weswegen sich nur die Mutigsten überhaupt trauten, davon zu probieren. Mehr Zuspruch gab es bei den mustea (Mostbrötchen), die mit moretum (Kräuterkäse) bestrichen wurden. Ungewöhnlich war allerdings, dass die Brötchen mit Anis gewürzt werden, was wir eher aus der Weihnachtsbäckerei kennen. Die Gruppe, die für den Kräuterkäse zuständig war, musste ziemlich viele Kräuter kleinschneiden und wusste sich dabei auch mit nicht ganz so antiken Küchengeräten wie einem Pürierstab zu helfen… Der Renner unter den Gerichten waren die so genannten globuli. Manche kennen den Begriff vielleicht von den kleinen weißen Kügelchen aus dem Bereich der Homöopathie. Und genau das ist auch ihre Übersetzung: „Kügelchen“. Allerdings waren sie bei uns nur zu Beginn der Herstellung weiß, als Endprodukt sollten sie eigentlich „goldgelb“ sein, konnten aber auf jeden Fall noch rechtzeitig aus der Pfanne gerettet werden. Globuli sind die Vorfahren der heutigen Krapfen und wurden von Marcus Porcius Cato d. Ä. in „De agricultura“ überliefert. Man isst sie – mit Honig beträufelt und mit Mohn bestreut – als süßes Hauptgericht oder als abschließende Nachspeise. Überhaupt waren Honig und Pfeffer wichtige Bestandteile der römischen Küche – gern auch in Kombination, wie wir bei der Zubereitung von mustea dulcia domestica (Datteln in Honig) und beim mulsum (Würzwein) lernten. Letzterer wurde natürlich in der alkoholfreien Variante mit Traubensaft angesetzt und erinnerte uns aufgrund seiner Gewürze an heutigen Glühwein bzw. Kinderpunsch.

Erwähnenswert ist noch, dass die Römer gern ein eigentümliches Würzmittel verwendeten – quasi das antike Ketchup oder Maggi – nämlich das so genannte liquamen oder garum. Hergestellt wurde es aus kleinen Fischen – wie Makrelen und Sardellen – aber auch aus Fischabfällen und -innereien, die man mit Salz und Gewürzen versetzt mehrere Monate an der Sonne vergären ließ. Ab und zu wurde diese Masse umgerührt und die entstandene Flüssigkeit schließlich als Würzmittel abgezapft. Allerdings fand sich im Vorfeld unseres Kochexperimentes niemand, der das garum ansetzen wollte…

Eigentlich hätten wir nach getaner Arbeit unser Menü stilecht im Liegen zu uns nehmen müssen, aber aufgrund der Klassenstärke haben wir dann doch die Tische der Lehrküche zu einer großen Tafel zusammengeschoben und gegenseitig unsere Gerichte probiert. Einige nahmen sogar Kostproben mit nach Hause. Falls ihr jetzt neugierig geworden seid und gern das ein oder andere Rezept ausprobieren möchtet – die Rezepte findet ihr nach den Fotos. Viel Spaß dabei!

Kathrin-Isabel Eisenberg

19.06.2018

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Ova Apala (gekochte Eier mit Pinienkernsoße)

Zutaten:

4 hart gekochte Eier

1 Handvoll Pinienkerne

schwarzer Pfeffer

gemahlener Koriander

Honig

Weinessig

Sojasoße oder thailändische Fischsoße

Zubereitung:

  • Olivenöl und Aceto Balsamico über den Feta gießen.
  • Den Käse (mit einer Gabel) fein zerdrücken.
  • Die verschiedenen Kräuter hacken, den Knoblauch zerdrücken und zur Käse-Öl-Essig-Mischung dazugeben.
  • Alles gut vermischen, evtl. noch salzen.

 

Mustea (Mostbrötchen)

Zutaten:

¼ l Traubensaft

40g Hefe

2 TL Backpulver

1TL Butter

1 TL Anis (gemahlen)

400g Mehl

100g geriebener Käse

Zubereitung:

  • Den Traubenmost leicht erwärmen und die Hefe darin auflösen.
  • Die Butter schaumig rühren und Anis zugeben.
  • Das Mehl – mit dem Backpulver vermischt – und den Most abwechselnd unterrühren.
  • Nach Hinzufügen des Käses den Teig sehr gründlich kneten, bis er glatt und geschmeidig ist.
  • Man lässt den Teig nun zugedeckt an einem warmen Ort gehen (ca. 30 Min.), so dass der Teig sein Volumen verdoppelt.
  • Danach nochmals kneten und kleine Brötchen formen
  • Auf jedes ein Lorbeerblatt drücken und nochmals 20 Min. gehen lassen.
  • Im Ofen bei 160° 20 Min. backen.

 

Moretum (Kräuterkäse)

Zutaten:

200 g Feta-Käse

etwa 3 Esslöffel Olivenöl

etwa 1 Esslöffel Aceto Balsamico

zwei Knoblauchzehen

1 Handvoll Sellerieblätter

1 Handvoll Ruccola

Zubereitung:

  • Olivenöl und Aceto Balsamico über den Feta gießen.
  • Den Käse (mit einer Gabel) fein zerdrücken.
  • Die verschiedenen Kräuter hacken, den Knoblauch zerdrücken und zur Käse-Öl-Essig-Mischung dazugeben.
  • Alles gut vermischen, evtl. noch salzen.

 

Globuli (Kügelchen)

Zutaten:

200 g Grieß

300-325 g Quark (keinen Magerquark)

ausreichend Honig zum Begießen

Mohn zum Bestreuen

Olivenöl

Zubereitung:

  • Zu Beginn den Quark mit dem Grieß vermengen, gut durchkneten und einige Stunden ruhen lassen.
  • Danach mit nassen Händen etwa walnussgroße Bällchen formen
  • Olivenöl in einer Pfanne erhitzen und die Bällchen darin unter häufigem Wenden goldbraun backen.
  • Aus der Pfanne nehmen, mit ausreichend Honig übergießen und mit Mohn bestreuen.

Tipps:

- Quark mit hohem Fettgehalt oder Mascarpone verwenden, um den Teig lockerer zu bekommen

- zu den Globuli eventuell Kompott, Apfelmus, Marmelade servieren

Historischer Hintergrund: Globuli sind die Vorfahren der heutigen Krapfen und wurden von Marcus Porcius Cato Censorius (Cato der Ältere) in „De agricultura“ überliefert. Man isst sie, genauso wie damals, als süßes Hauptgericht oder als abschließende Nachspeise. Globuli heißt übersetzt „die Bällchen / Kügelchen“.

 

Dulcia domestica (Datteln mit Honig)

Zutaten:

12 Datteln

12 Walnusshälften

4 TL Honig

Salz

Schwarzer Pfeffer

Zubereitung:

  • Schäle die Datteln und entferne die Kerne.
  • Ersetze den Kern durch eine Walnusshälfte.
  • Salze jede Dattel leicht.
  • Löse den Honig in einer Pfanne auf und lasse die Datteln bei schwacher Hitze in dem Honig 5 Min. lang dünsten.
  • Nimm die Datteln heraus und richte sie auf einem Teller oder einer Platte an.
  • Gib mit dem Teelöffel noch etwas Honig über die heißen Datteln.
  • Streu ein wenig schwarzen Pfeffer darüber und serviere die Nachspeise.

 

Zu der Lektion 5 "Tatort Circus Maximus" unseres Lateinbuchs "Via Mea" hat sich Lilith Rein aus der Klasse 7f folgende spannende Geschichte ausgedacht:

 

Verirrt!

„Marcus, steh auf!“, meine Mutter weckte mich. Ich sprang auf, zog mich an und lief auf die Straße. „Na endlich!“, sagte mein Bruder Valerius zu mir. Ich streckte ihm die Zunge raus. „Aufhören!“, donnerte mein Vater „Sonst bleiben wir hier!“ Augenblicklich waren wir still. „Gehen wir.“ Wir gingen langsam am Straßenrand entlang. „Ich bin schon sooo aufgeregt. Wie es da wohl sein wird?“, dachte ich mir. Ich freute mich schon und war sehr aufgeregt. „Ob es wirklich so gefährlich und zugleich auch atemberaubend ist, wie mein bester Freund Quintus meint? Egal, Hauptsache ich bin mindestens einmal dabei. Vielleicht sehe ich ja... Eine ratternde Kutsche fuhr an uns vorbei und wirbelte lauter Staub auf. „Ich hasse das!“, hörte ich meinen Vater schimpfen.

Ohne es bemerkt zu haben, bog ich in eine, vom Dreck verschmutzte, Gasse ab. Meine Familie war verschwunden. „Valerius! Wo bist du?“, rief ich, doch ich erhielt keine Antwort. Ich rief nochmal. Wieder erhielt ich keine Antwort. Langsam bekam ich Angst. „Wo waren die denn?“ Ich sah keinen Valerius und meine Eltern waren auch nicht zu sehen. Ich blickte mich in der Gasse um. Es führten total viele, noch kleinere, Gassen von dieser hier ab. „Aus welcher kam ich denn?“ Verzweifelt sank ich am Straßenrand nieder. „Ich komme zu spät zum Rennen und meine Familie sehe ich nie, nie wieder.“ Mir stiegen die Tränen in die Augen. „Heulst du etwa?“, hörte ich eine Stimme mich fragen. Ich wollte antworten, doch ich brachte keinen Ton zustande. „Du heulst doch nicht etwa? Komm schon, ein Römer kennt keinen Schmerz.“ „Nein, ich heule nicht!“, brüllte ich verärgert und blickte auf, um einem Mädchen in die Augen zu schauen. Ich wich zurück. „D-Du hast...“ „Ja. Ich habe ein blaues und ein grünes Auge. Ich weiß, na und? Ist doch völlig egal. Ich helfe dir aus diesem Irrgarten herauszukommen. Wohin möchtest du?“ „Ich will zum Circus Maximus.“ „Allein?!“ „Ich habe meine Familie verloren.“ Das Mädchen lief los und ich stand auf und folgte ihr. Sie führte mich an ärmlich wirkenden Bauten und mehreren Bettlern vorbei. Schließlich waren wir da. „Dreifacher Lanzenstich! Der Besuchereingang ist schon gesperrt. Hier kommst du nicht mehr rein.“ Sie überlegte kurz und meinte dann: „Da bleibt nur noch... Geh jetzt an der linken Seite vorbei, dann rechts und schließlich kommst du zu einer großen Tür. Durch diese Tür kommst du in die Ställe. „Wir sehen uns wieder!“ Ich drehte mich um und wollte mich bei dem Mädchen bedanken, doch sie war verschwunden.

Also ging ich den beschriebenen Weg und kam zu einer großen Tür. Ich ging auf sie zu, aber bevor ich sie öffnen konnte, machte es: „Flatsch!“ Ich blickte auf meinen rechten Fuß, der in braunen... „Na endlich. Wo warst du denn? Ich habe dich schon erwartet. Komm mit.“ Ein großer Mann kam auf mich zu und bedeutete mir, ihm zu folgen. Er führte mich in den Stall, vorbei an vielen verschiedenen Pferden und stoppte an einem Wagen, vor dem vier Pferde standen. „Ich dachte, du bist größer und auch älter, aber das ist egal. Zum Glück konnte er so schnell einen Vertretungsfahrer finden. So ein Pech, dass Marcellus kurzfristig krank geworden ist. Steig ein! Das Rennen beginnt gleich.“ „Aber, ich bin doch gar n...“ „Achtung, drei, zwei, eins, los!“ Mehrere Dinge passierten gleichzeitig. Ein Tor vor mir öffnete sich, der Mann gab den Pferden einen Klaps und ich konnte mich gerade noch am Wagen festhalten. Auf meiner linken Seite überholte mich ein Wagen. Das bemerkte ich aber kaum, da meine Ohren von Klatschen erfüllt waren. Wieder überholte mich ein Wagen. Erst jetzt begriff ich, dass ich mitten im Circus Maximus war und als Fahrer in einem Wagen stand. Ich nahm die Zügel auf, die vor mir lagen und probierte, die Pferde zu lenken. Das war gar nicht so einfach, wenn man das erste Mal Zügel in den Händen hielt. Ich bekam es irgendwie hin und wich einer Person aus, die anscheinend aus dem Wagen gefallen war. „ Schneller!“, feuerte ich die Pferde an. Im Moment war es mir völlig egal, für wen ich im Wagen stand, ich wollte nur noch gewinnen. Runde um Runde hielt ich mich im Wagen. „Noch eine Runde!“, brüllte mir eine Stimme zu. Die Zuschauer wurden immer lauter, je näher ich der Ziellinie kam. Noch 5 Pferdelängen. Wieder überholte ich jemanden. Nur noch 3, 2, 1 geschafft! Nachdem ich am Zügel zog, stoppten die Pferde und sechs Personen kamen auf mich zu: Der große Mann, ein weiterer Mann, das Mädchen von vorhin und Valerius mit meinen Eltern. „Zweiter Platz. Ganz in Ordnung.“ „ Wer bist du?“ „Ich sagte doch, wir sehen uns wieder!“ „ Marcus, wo warst du?“ Es redeten so viele Stimmen auf mich ein, dass ich total durcheinander kam. „Halt! Das wird zu viel. Nacheinander, bitte.“ Der große Mann begann: „Gut geritten. Zweiter Platz, Respekt.“ Der Unbekannte machte weiter: „Wer bist du? Wieso bist du, anstatt ich gefahren?“ „Ich hatte Recht, wir sehen uns wieder!“ „Marcus!“ Meine Mutter drückte mich. „Wo warst du denn? Wir haben dich gesucht!“ Ich hielt es für das Beste, von vorne zu beginnnen: „Ich verirrte mich in den vielen, kleinen Gassen. Zum Glück fand mich das Mädchen und führte mich zum Circus Maximus. Der Besuchereingang war schon gesperrt, also wollte ich durch die Ställe gehen. Dort fing mich dieser Mann ab und bevor ich antworten konnte, stand ich schon mitten im Wagen und dann war ich schon mitten auf der Rennbahn. Den Rest habt ihr ja miterlebt. Tja, jetzt bin ich hier...“